Zwei Veranstaltungen zu Olympia und Bahrenfeld

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Bericht von Jürgen Beeck

Wenige Wochen vor dem Referendum für die Hamburger Bewerbung zu Olympischen und Paralympischen Spielen in Hamburg fanden zwei Veranstaltungen in der Esther- Bejarano-Schule statt. Es ging jeweils um die Auswirkungen der Spiele auf den Stadtteil Bahrenfeld. Am 8. April informierte die Science City GmbH über die Pläne für das Olympische Dorf am Volkspark. Am 13. April legte die Stadtteilinitiative Bahrenfeld auf Trab den Schwerpunkt auf die Auswirkungen für die Anwohner:innen. 

„Die Science City und das Olympische Dorf zu Gast in den Quartieren am Volkspark“

Unter diesem Motto stellten Melanie Parr (Science City GmbH) und Simone Blunck (Olympia-Projekt) zusammen mit dem Architekturbüro COBE den aktuellen Stand der Funktionsplanung für die Quartiere am Volkspark und damit für das Olympische Dorf vor. COBE hatte auch den Wettbewerb Wohnen am Volkspark (2024) gewonnen mit den drei Quartieren: 

  • Campusquartier mit offenen Blöcken (westlich August-Kirch-Straße)
  • Gartenquartier (östlich August-Kirch-Straße)
  • Naturquartier (erschlossen über Holstenkamp)

Nun gab COBE ein Update für ein Olympisches Dorf im Olympic Parc Altona. Es soll 15.000 Athlet:innen in den beiden westlichen Quartieren beherbergen. Das Naturquartier soll zunächst nur den Versorgungseinrichtungen dienen. Erst nach der Olympiade sollen dort Wohnungen entstehen. 

  • Wohnen: Im Campusquartier und dem Gartenquartier sollen zur Olympiade insgesamt 3.800 Wohnungen entstehen. Im Naturquartier sollen nach den Spielen weitere 700 Wohnungen gebaut. Damit wird die Gesamtzahl der Wohnungen auf 4.500 (04/2026) erhöht. Die Bruttogeschossfläche bleibt erhalten. Das geschieht durch Verkleinerung der Wohnungsgröße von 100 m² auf 90 m² (incl. Treppenhaus) und teilweise Verdichtung.
  • Infrastruktur: Die EG-Flächen sollen für KiTas und andere Gemeinschafts-Einrichtungen genutzt werden. Die im Quartier vorgesehenen Ersatzflächen für die beiden Fußballplätze an der Wilhelmshöh werden erst nach dem Rückbau der Dininghall (Großkantine für Olympionik:innen) eingerichtet werden können. 
  • Verkehr: Der Anreiseverkehr für die Olympiade soll ausschließlich mit Bus, Bahn, Rad und zu Fuß abgewickelt werden. Die Verlängerung des Holstenkamp nach Westen soll nur als Kommunaltrasse durchgängig ausgelegt werden. Ein Schnellbahnanschluss wird vorausgesetzt.

Anschließend konnten aus dem Publikum Fragen gestellt und Kritik geäußert werden. So wurde bemängelt, dass sich die Bereitstellung von Wohnraum durch die Olympiade um Jahre verzögern würde. 2019 wurde für die Vollendung der Science City 2040 angegeben, nun ist von Ende der 2040er Jahre die Rede. Die geplante Anzahl der Wohneinheiten wurde von 2.500 (2019) über 3.800 (2024) auf 4.500 (2026) erhöht. Gegenüber dem S-Bahnanschluss bis 2040 gab es viel Skepsis.

NOlympJA

Bahrenfeld auf Trab stellte mit seiner Veranstaltung das Konzept für das Olympische Dorf auf den Prüfstand. Dazu befragte Burkhard Plemper als Moderator die Podiumsgäste Dr. Steffen Rülke (Olympia-Projekt), Eckart Maudrich (NOlympia) sowie die Bürgerschaftsabgeordneten Mithat Çapar (SPD) und Heike Sudmann (Die Linke). Ilona Schulz-Müller setzte die Themen, die aus Sicht von Bahrenfeld auf Trab kritisch sind. Das Publikum wurde ebenfalls einbezogen:

  • Wohnen: Ob Hamburg 4.000 Wohnungen bis 2036 bauen könne? Diese Frage beantworteten Rülke und Çapar mit „Ja“, wenn man das wolle. Maudrich und Sudmann gaben sich sehr skeptisch und befürchten eine Explosion der Mieten. Die bisherige Bürger:innen-Beteiligung wäre umsonst gewesen und bei einem beschleunigten neuen Verfahren zur der Überplanung seien Mitsprachemöglichkeit geringer, so Sudmann. Sie wies darauf hin, dass im Wohnungsbauprogramm des Bezirks bereits 1.600 Wohneinheiten im Campusquartier mit Fertigstellung in 5 – 10 Jahren aufgelistet sind (Stand 2/26). Für diese Wohnungen käme ein Erstbezug in 2040 oder 2044 nicht in Betracht.
  • Verkehr: Schulz-Müller wies auf die bereits heute überfüllten Straßen hin und meinte, dass Schnellbahnen eine sinnvolle Alternative wären. Capar meinte, dass die S6 ohne Verlängerung nach Lurup auf einen Nutzen-Kosten-Faktor über „1“ käme und damit die Kofinanzierung durch den Bund wahrscheinlich mache. Schulz-Müller hält die Realisierung der U5 für möglich, aber nicht für die S6. Auch im Publikum überzeugte der Optimismus von Rülke und Çapar nicht..
  • Sportstätten: In Paris sei wenig für die Verbesserung des Breitensports übrig geblieben meinte Schulz-Müller. Wenigstens die Ertüchtigung von sanierungsbedürftigen Sporthallen könne die Olympia-Bewerbung beschleunigen. Allerdings befinde sich keine der Sporthallen in Bahrenfeld (Sudmann).
  • Kosten: Es gibt je eine Kostenrechnung für Investitionen (Auf- und Abbau), Durchführung und Sicherheit. Die Investitionen würden zum Teil vom Bund übernommen. Bei den Durchführungskosten seien Kostensteigerungen um 30 % berücksichtigt, sagte Rülke. Maudrich bemängelte, dass Sicherheitskosten bisher überhaupt nicht eingepreist sind. Man könne die 3 Mrd € nehmen, die Paris veranschlagt hatte. Spätestens mit den Sicherheitskosten belastet eine Olympiade die Steuerzahler in Bund und Land erheblich.

Fazit

Die Befürworter von Olympia versprechen sich von einer Olympia-Bewerbung eine beschleunigte Finanzierung für Schnellbahnen und Sportstätten und wir (die Stadtgesellschaft) würden das schaffen. 

Die Gegner verweisen auf nicht eingehaltene Versprechungen bei früheren Olympia-Städten (Paris, London). Die mit Olympia genannten Verbesserungen könne man ohne Olympia für weniger Geld realisieren. Verkürzte Planungszeiten für Olympische Projekte hätten eine geringere Bürger:innen-Beteiligung zur Folge.

Ja oder nein zu Olympia? Man sollte sich nicht nur von Emotionen tragen lassen, sondern auch auf das Kleingedruckte achten, insbesondere was unseren Stadtteil an geht. 

Jürgen Beeck

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